· 

Waldtag mit Kindern

So langsam zieht der Herbst ein, keine flirrende Hitze mehr, keine Sorge mehr, etwas aus dem riesigen Sommereventangebot zu verpassen, keine Nachmittage im vollen Freibad mehr und nicht mehr unterwegs von einem Grillabend zum andern. Der Herbst bringt wieder mehr Musse und Gelassenheit. 

 

Mit dieser Gelassenheit ist es im Herbst einfach wunderschön, mit deinem Kind in den Wald zu gehen, weil die Natur im Herbst einfach ganz viel zu bieten hat. Bunte Blätter, Bucherkern, Eichelhütchen und Tannenzapfen laden zum Sammeln und Basteln ein. Bei einem Spaziergang durch den Wald kann dein Kind die Natur mit allen Sinnen erleben, wie etwa durch das Lauschen auf Waldgeräusche, das Ertasten von allerlei Holzarten oder bei einem Sprung in einen Laubhaufen. 

Der Wald zieht Gross und Klein gleichermassen in seinen Bann. Für dein Kind ist er ein Ort mit vielseitigen Entdeckungs- und Lernmöglichkeiten aber auch ein Ort für Spiel, Bewegung und Spass. Du wiederum findest im Wald Erholung und Ruhe, wenn du achtsam durch den Wald gehst. 

Ein Waldausflug hält also für jedes Familienmitglied etwas bereit. 

Damit dein Waldtag zu einem vollen Erfolg wird, möchte ich dir ein paar Ideen mitgeben, wie du den Wald mit deinem Kind entdecken kannst und woran du vor dem Waldtag vielleicht noch denken musst.

Vorbereitung

Ich finde es besonders schön, wenn du dein Kind mit einem Bilderbuch oder einer Geschichte auf euren Waldtag einstimmst. Durch die Geschichte bekommt dein Kind schon einen Bezug zum Wald, weiss vielleicht schon ein wenig, was es erwartet und seine Vorfreude auf euren Ausflug in den Wald steigt. 

 

Damit dein Kind im Wald forschen und entdecken kann, denke daran, alles Wichtige einzupacken. Dazu gehört natürlich: 

  • Ausreichend Getränke
  • Etwas zu Essen wie Sandwiches, Kekse, Früchte
  • Pflaster und Verband, sowie Desinfektionsmittel
  • Insektenschutz (Zecken!)
  • Ev. Sonnenschutz
  • Ev. etwas zusätzlich Warmes zum überziehen
  • Tüte für allfälligen Abfall
  • Taschentücher 

Aber noch fast wichtiger finde ich, dass dein Kind eine Entdeckerausrüstung dabeihaben darf, wie zum Beispiel: 

  • Becherlupe
  • Fernglas
  • Stifte und Papier
  • Falls vorhanden Kinderfotoapparat
  • Körbchen, Büchsen oder Taschen zum Sammeln von Naturmaterialien
  • Schnur
  • Taschenmesser ev. eines für Kinder mit stumpfer Spitze
  • Spieltiere aus Holz oder Plastik
  • Zwerge, Elfen und Blumenkinder 

Und natürlich ist es beim Spielen und Entdecken im Wald ganz normal, dass die Kleider auch mal schmutzig werden- das gehört zu einem Waldtag einfach dazu. Daher ist robuste, wetterfeste aber bequeme Kleidung ein Muss. 

Regeln für den Waldtag

Ein Ausflug in den Wald ermöglicht deinem Kind ganzheitliche Erfahrungen und lässt es einfache ökologische Zusammenhänge erfahren. Damit du und dein Kind den Wald sicher erleben könnt und damit die Natur geschont wird, ist es sinnvoll, wenn du mit deinem Kind ein paar Regeln für den Waldbesuch besprichst. Die Regeln kannst du deinem Kind auf eine spielerische Art näher bringen. 

Magisch und fantasievoll kannst du den Waldausflug beginnen: 

Lasse Kind jeweils schon am Waldrand, bzw. dort wo ihr den Wald betretet, symbolisch anklopfen. Das geht ganz einfach mit einem kurzen Sprüchlein oder einem Lied und passenden Bewegungen. Das stärkt das Bewusstsein deines Kindes: Wir sind im Wald nur zu Besuch

Danach gelten zum Beispiel diese Abmachungen für den Waldbesuch 

  • Bleibe immer in Hör- und Sichtweite zu den Erwachsenen bleiben, damit man sich nicht verliert.
  • Du darfst rennen, hüpfen, balancieren oder rückwärts gehen, so weit bis zu ausgemachten Haltepunkten, zum Beispiel bis zur umgestürzten Tanne, zum Baumstrunk oder der Wegweisertafel. Warte dort dann auf alle andern.
  • Wenn wir zu Besuch sind, dann sollten wir auf alle Tiere, Pflanzen und auch anderen Menschen achtgeben.
  • Abgesperrte Gebiete, wie zum Beispiel Neupflanzungen von Bäumchen, wollen wir sorgsam umgehen.
  • Sammle immer nur kleine Mengen von Blättern, Blumen, Früchte etc. damit immer genug für die Tiere und Zwerge, die im Wald leben, übrigbleibt.
  • Du darfst Pflanzen erforschen, verletze Pflanzen aber nicht absichtlich – also schaue, dass du keine Pilze zertrittst oder ganze Äste abreisst.
  • Zum Spielen, Sammeln und Bauen hat es ganz viele tolle Dinge bereits am Boden, die kannst du benutzen.
  • Tiere, Zwerge und Elfen im Wald freuen sich über deinen Besuch, vor allem wenn wir auch mal leise sind und sie so nicht so stören. 
  • Trage Sorge zu Tierbehausungen wie Ameisenhaufen, Vogelnester oder Mauselöcher.
  • Es gibt allerlei Beeren, Pflanzen etc. welche lecker aussehen - ohne Erlaubnis eines Erwachsenen darfst du sie aber nicht essen.
  • Abfall nehmen wir immer wieder mit.  Auch verwendetes Material wie Schnur oder Papier nehmen wir wieder heim, Tiere und Zwerge fühlen sich sonst nicht wohl und könnten sogar krank werden, wenn sie unseren Abfall essen.   

Wenn du mit deinem Kind in den Wald «eingetreten» bist, steht dem Entdecken und Spielen nichts mehr im Weg. Lasse dein Kind seine eigenen Ideen ausprobieren, begleite es wo es Hilfe benötigt, aber lasse es machen, wo es schon selbst dazu fähig ist. Gerne teile ich einige Ideen für Spiele und Aktivitäten im Wald. 

Erstellen und bauen

Ästehütte: Aus grossen Ästen kann sich dein Kind eine Hütte bauen, in welche es selbst hineinschlüpfen kann. Wahrscheinlich braucht es da etwas deine Hilfe, damit die Äste nicht immer umfallen und weil es doch ein wenig Ausdauer braucht, bis ein richtiges Waldhaus steht. 

Zwergenhaus: Ein Zwergenhaus kann bei einem grossen Baum bei verzweigten Wurzeln gebaut werden. mit Zweigen, Tannenzapfen, Blättern, Rinde und Moos kann dein Kind kleine Häuschen bauen, mit Gärten oder Stall davor. Die mitgebrachten Zwerge und Blumenkinder können nun dort wohnen und mit deinem Kind die wundersamsten Abenteuer erleben. Oft ist aber einfach das Bauen eines Zwergenhauses für die Zwerge des Waldes das Schönste für dein Kind. Stundenlang kann es Material sammeln und sorgsam aufbauen, bis es sicher ist, dass sich die Zwerge in den Häuschen wohl fühlen werden. 

Waldkunst: Mit Blättern, Steinen und Ästen kannst du mit deinem Kind ganze Kunstwerke im Wald herstellen. Wischt ein flaches Stück Waldboden mit einem Tannenast sauber, sodass eine freie Fläche entsteht. Dann könnt ihr anfangen Muster zu legen. Je nach Alter braucht dein Kind noch etwas Hilfe. Wenn dein Kind viel Geduld und Ausdauer hat so kann es metergrosse Bilder legen.

Erforschen

Becherlupe: Schick dein Kind mit einer Becherlupe los, damit es ein kleines Krabbeltier einfangen kann. Zeige ihm vielleicht vorab, wie man sorgsam und vorsichtig ein Tierchen einfängt, damit kein Insekt ein Bein eingeklemmt bekommt oder sich sonst wie verletzt. Ist das Tierchen in der Becherlupe könnt ihr euch im Schatten (in der Becherlupe könnte es in der prallen Sonne für ein Insekt zu heiss werden!) hinsetzen und dein Kind darf sich sein Tier nun genau ansehen Es kann das Insekt danach auch aufzeichnen oder fotografieren, es kann ihm einen Fantasienamen geben oder du hilfst deinem Kind mit einem Bestimmungsbuch oder einer App den genauen Namen herauszufinden. Dein Kind kann sich ausdenken, was sein Insekt tut und wo es lebt. Gibt deinem Kind genug Zeit zum Anschauen und Beobachten, denn bei so manchem Käfer sieht man erst unter der Lupe und bei genauem Hinschauen die schillernden Farben oder die spannenden Muster auf einem Spinnenrücken brauchen Zeit um genau erkannt zu werden. 

 

Nach etwa 15. Minuten sollte dein Kind dann das Krabbeltier an dem Ort, wo es gefangen wurde dann auch wieder freilassen. So lernt dein Kind ganz nebenbei auch kleinsten Lebewesen Wertschätzung zu zeigen, es kann sich verabschieden mit « Tschüss und danke, dass ich dich beobachten durfte» 

 

Natürlich kann dein Kind mit der Becherlupe auch Pflanzenteile, Erde, Rindenstückchen oder Pilze erkunden. 

Blind ertasten: Such dir, während ihr durch den Wald geht, einige Dinge zusammen, ohne dass dein Kind es bemerkt. Wenn du genug gesammelt hast, setzt euch hin. Dein Kind soll die Augen schliessen oder du verbindest sie ihm mit einem Tuch. Nun legst du ihm die Waldgegenstände in die Hand und es versucht tastend zu erraten, worum es sich handelt. Danach könnt ihr die Rollen tauschen und dein Kind sucht sich Dinge und lässt dich fühlen. Welche Waldgegenstände ertastet ihr wohl am einfachsten?

Kleiner Tipp: sag deinem Kind zu Beginn, dass du ihm keine ekligen oder gefährliche Gegenstände in die Hand gibst (und halte dich natürlich daran!) - so kann sich dein Kind richtig auf das Spiel einlassen.

Barfussweg: Auch wenn es im Herbst von den Temperaturen her nicht immer möglich ist, so ist barfuss die Natur zu erkunden, trotzdem etwas Wunderbares. Barfuss durch den Wald zu gehen, lässt dein Kind intensive Erfahrungen machen. Tannennadeln piksen leicht unter den Füssen, Moos fühlt sich wie ein kühler, weicher Teppich an, Steine sind mal rau mal ganz glattgeschliffen. Lass dein Kind möglichst viele verschiedene Untergründe spüren. Gemeinsam könnt ihr mit verschiedenen Materialien einen Weg durch den Wald oder auf dem Waldweg legen. Nimm dein Kind an der Hand und führe es darüber. Ob es die Augen offen hält oder sie schliesst, das ist ganz euch überlassen. Und natürlich freut sich dein Kind, wenn es dich auch mal führen darf.

Tipp: nimm ein kleines Frotteetuch mit, damit ihr euch nach dem Barfussgehen die Füsse trocken und sauber rubbeln könnt.

Sammeln

Im Wald – und vor allem im Herbstwald - gibt es enorm viel zu finden: Tannenzapfen von verschiedenen Nadelgehölzen, Blüten, Moos, Laub, Steine, Federn, Samen und vieles mehr. Damit das Sammeln deinem Kind noch mehr Freude macht, kannst du ihm eine kleine Schatztruhe mitnehmen. Eierkartons eigenen sich sehr gut dafür. Klebe Bilder - aus Zeitschriften ausgeschnitten oder selbstgezeichnet- auf den Deckel des Eierkartons. Diese Waldgegenstände darf dein Kind nun suchen gehen, die gefundenen Waldschätze kann es dann in seine Schatztruhe legen. 

Du kannst als Variante auch jedes Fach mit einer Farbe ausmalen. Findet dein Kind im Wald wohl Dinge in diesen Farben? 

 

Ist dein Kind schon grösser, kannst du ihm eine Schatzkarte machen, auf welcher es die gefunden Walddinge abkreuzen kann. Es dürfen auch schwierig zu findende Dinge sein, wie eine Tierspur, ein Vogelnest, Eichenblatt oder ein Fliegenpilz. 

 

Das Spiel bzw. die Aufgaben kannst du beliebig verändern. Beim nächsten Herbstwaldtag soll dein Kind etwas finden, was weich ist oder was gut riecht. Oder es sucht etwas, was ein Geräusch macht oder getrocknet werden kann? Es könnte auch den Zwilling zu einem bestimmten Blatt oder Stein suchen. Lass deine Ideen sprudeln, das macht nämlich nicht nur deinem Kind grossen Spass! 

Zuhause angekommen bietet es sich an, dein Kind aus den Naturmaterialien etwas basteln zu lassen. Ihm kommen sicher viele Ideen, was aus den Dingen entstehen könnte.

Du siehst, im Wald gibt es für die ganze Familie viel zu entdecken - Pflanzen, Tiere, Wetter, Geräusche, Gerüche, und natürlich auch Zwerge, Elfen und Feen. Ein Waldtag gibt dir und einem Kind einfach alles, was gut tut. Er fördert die körperliche Entwicklung durch viel Bewegung und Koordination, stärkt das Immunsystem und reduziert sogar Stress durch seine beruhigende Wirkung. Ausserdem stärkt der Wald das Selbstvertrauen deines Kindes, fördert seine Fantasie und Kreativität und schafft natürlich auch eine tiefe Verbindung zur Natur. 

 

Ich wünsche dir darum viel Spass im Wald mit deinem kleinen Sonnenschein 

 

Liebe Grüsse aus dem Atelier

Monika von hanni&fred

Kommentare: 0