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Sich langweilen - und Neues entsteht

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen“. - Astrid Lindgren

„Mir ist so langweilig!“ diesen Satz kennst du sicher und hast ihn gewiss schon öfter von deinem Kind gehört. Während den Ferien oder auch jetzt in der kühleren Jahreszeit, wenn dein Kind nicht einfach problemlos draussen auf andere Kinder trifft, wirst du diesen Satz vermehrt hören. Viele Eltern sind davon genervt oder es stresst sie, wenn ihr Kind so gar nichts mit sich anzufangen weiss. Schnell gerät man da in Aktivismus und bringt tausend Vorschläge, was das Kind nun machen könnte. Du kennst sicher auch das Bedürfnis, die ganzen Ferien in einen Strauss voller Aktivitäten verwandeln zu wollen oder den Impuls, die tägliche Medienzeit ein wenig aufzustocken, nur damit dein Kind nicht vor Langeweile herumnörgelt. Aber eigentlich ist gelegentliche Langeweile sehr wertvoll für dein Kind und es lohnt sich auch für dich, wenn sich dein Kind langweilt. Sicher braucht es auch Nerven, die Quengelei deines Kindes auszuhalten, ohne verschiedene Spiel- und Beschäftigungsvorschläge zu geben- doch es lohnt sich, wenn du diesem Drang widerstehen kannst und so deinem Kind die Möglichkeit gibst, in der Langeweile viele Vorteile für sich zu entdecken. Auch wenn es dir schwerfällt, nicht sofort einzugreifen, bin ich überzeugt, dass es wichtig ist, der Langeweile Raum zu geben. Denn vielleicht ist die Langeweile genau das was dein Kind im Moment braucht, denn wenn die Zeit deines Kindes meist voll ist mit Reizen, Terminen und Medien, kann das Wegfallen von Beschäftigung eine wahre Schatzkiste sein.  Aber Langeweile zu ertragen, will gelernt sein – und das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

 

Gerne möchte ich dir hier aufzeigen, warum es für dein Kind wertvoll ist, wenn es sich auch einmal langweilt.

 

Wichtig ist mir aber, darauf hinzuweisen, dass ich in diesem Artikel von gelegentlicher Langeweile spreche. Langweilt sich ein Kind ständig, so ist dies ein Grund genauer hinzuschauen und achtsam zu sein. Was ist der Grund für die ständige Langweile des Kindes? Ist es über- oder unterfordert? Hat es Probleme, die es nicht äussern kann und so Langeweile als Ausdruck braucht? Wer sich immer langweilt sucht nach Anregung und es kann sein, dass gefährliche Situationen gesucht werden oder der Medienkonsum grenzenlos wird.

Deshalb ist bei diesem Artikel von gelegentlicher kindlicher Langeweile die Rede – diese Langeweile, die du sicher von dir selbst und von deinem Kind gut kennst.

Langeweile entsteht, wenn Stress entfällt

Kita, Kindergarten, Schule, Sporttraining, Musikunterricht, Ballett, Frühenglisch, Ausflüge und so weiter…. Der Alltag eines Kindes ist sehr oft durchgetaktet. Und je älter dein Kind wird, um so mehr Termine verplanen seinen Tagesablauf und umso seltener hat dein Kind die Möglichkeit einfach einmal nichts zu tun.

Fallen, zum Beispiel in den Ferien oder am Wochenende, der tägliche Stress und die durchstrukturierten Tage weg, entsteht bei deinem Kind schnell das Gefühl der Langeweile. Gelingt es dir, deine Sicht auf die Langeweile deines Kindes aus dieser Perspektive zu haben, so muss dich die kindliche Langeweile nicht mehr beunruhigen, sondern du kannst sie als gutes Zeichen deuten. Denn dein Kind ist nun – ohne vorgegebenen Zeitstrukturen - auf dem Weg zu Ruhe und Entspannung. Natürlich entsteht dadurch erst einmal eine Leere. Diese Leere zwingt dein Kind jedoch dazu, kreativ zu werden, eigene Lösungen zu finden und sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Langeweile macht kreativ

In der Forschung gilt Langeweile als eine der Voraussetzungen, dass Kinder lernen, aus sich selbst zu schöpfen, kreativ zu werden und mit sich selbst etwas anfangen zu können. Denn wenn dein Kind vermeintlich alle Spiele gespielt hat, alle Spielsachen in- und auswenig kennt und jede Bastelidee uninteressant scheint, ist dein Kind gezwungen, selbst neue Ideen zu entwickeln. Wenn es uns langweilig ist, verändert sich die Gehirnaktivität. Gedanken, welche uns ständig beschäftigen, ziehen sich zurück und verlieren so an Bedeutung. Dadurch entsteht Raum für neue Gedanken und neue Ideen, wir können unserer Fantasie freien Lauf lassen.

 

Das Gegenteil der Langeweile zeigt sich in leidenschaftlichem Interesse am Leben, am Kontakt mit andern und im vertieften Tun. Fehlt deinem Kind dies, so fühlt sich dein Kind unwohl, es möchte nicht in diesem Gefühl bleiben, sondern Sinn in einer Beschäftigung oder die Freude am aktiv sein wieder finden. Um diese unangenehme Empfindung beseitigen zu können, muss dein Kind nun selbst kreativ werden. Es muss herausfinden, was es tun kann, um aus dem Zustand der Langeweile herauszukommen. Dein Kind muss sich also selbst überlegen, welche Aktivitäten es motivieren und ihm Freude bereiten. Um Langeweile zu überwinden, lässt sich dein Kind etwas einfallen. Aus dem Nichts kann nun durch die Kraft der Fantasie etwas Neues, Eigenes entstehen. Dein Kind denkt sich Spiele und Geschichten aus, nutzt Alltagsgegenstände neu oder taucht in Rollenspiele ein. So kommt die Leidenschaft für das Leben zurück und dein Kind erlebt sich dabei als selbständig und selbstwirksam. So wird nicht nur das kreative, fantasievolle Denken deines Kindes trainiert, sondern auch sein Selbstbewusstsein gestärkt.

 

Unverplante Zeit und sich langweilen macht also erfinderisch. Hältst du es aus, deinem Kind in Zeiten der Langeweile keine Beschäftigungsangebote zu machen, so hat es die Möglichkeit seine Fantasie spielen zu lassen, sich neue Spielideen auszudenken und in seiner Vorstellungswelt zu versinken.

Langeweile macht selbstbewusst

Macht dein Kind die Erfahrung, dass es etwas mich sich selbst anfangen kann, ohne Inputs von aussen, ohne andere Kinder oder auch ohne elektronische Geräte, so ist dies sehr bereichernd. Es lernt in solchen Momenten viel über sich selbst, über seine Wünsche und Bedürfnisse. Wenn dein Kind erlebt, dass es ihm auch gut geht, wenn es mit sich allein ist, entwickelt es ein Gespür für seine eigene Persönlichkeit. Es macht dein Kind selbstbewusst und unabhängig. Durch das Überwinden von Langeweile lernt dein Kind sich selbst zu organisieren, denn in der Langeweile entsteht ein Zeitraum, der nicht von anderen Kindern, Erwachsenen oder elektronischen Geräten strukturiert wird. Wenn dein Kind also lernt, mit der Langeweile umzugehen, findet es Zugang zu seinen Stärken und Fähigkeiten sowie zu seinen Interessen und seiner Schaffenskraft.

Wenn sich dein Kind immer wieder langweilen darf, so kann es immer besser Verantwortung für seine eigene Beschäftigung übernehmen, es entwickelt Strategien, wie es sich selbst beschäftigen kann und findet seinen inneren Antrieb, anstatt auf Vorschläge von aussen zu warten. 

Langeweile motiviert

Aus der Neurobiologie weiss man, dass Kinder viel bessern lernen, wenn ihre Motivation aus ihrem Inneren kommt, wenn sie ihrer Neugier nachgehen können. Wenn dein Kind gelernt hat, seine eigenen Interessen zu verfolgen, so wird es ihm auch leichter fallen, auf Neues zuzugehen und sich auch für unbekannte Lerninhalte zu öffnen. In Zeiten der Langeweile, kann sich dein Kind auf seine eigenen Interessen zurückbesinnen und sich von seiner Neugier geleitet selbstbestimmt mit neuen Ideen beschäftigen. Da Langeweile dann entsteht, wenn die äussere Struktur wegfällt, wird dein Kind motiviert seine eigene Struktur entwickeln. Es kann dann vielleicht nicht nur das spielen, was gerade aus seiner Fantasie entspringt, es kann auch einfach einmal so lange an etwas bleiben, wie es möchte und nicht wie es ihm vorgegeben wird.

Langeweile fördert das Freispiel

Freies selbstbestimmtes Spiel braucht viel Zeit – vor allem offene ungeplante Zeit. Ohne durchgetaktete, vorstrukturierte Zeit kann dein Kind eigene Spiele entwickeln, in seine Fantasiewelt eintauchen oder seine Umwelt erforschen. Dieses freie selbstbestimmte Spiel ist essenziell für die emotionale, soziale, sprachliche und kognitive Entwicklung deines Kindes. Und so entsteht dieses wichtige freie Spiel auch aus Zeiten der Langeweile.

Langeweile bietet Raum für Entschleunigung

Momente der Leere sind in der heutigen Kindheit eher selten geworden. Aber genau diese Momente sind auch wichtig für eine gesunde Seele. In ruhigen, leeren Momenten kann dein Kind Erlebtes verarbeiten, zu sich kommen und sein eigenes Tempo finden. Lernt dein Kind, Langeweile auch einfach mal zuzulassen, kann es innere Balance finden, zur Ruhe kommen und entschleunigen. Langeweile bringt dein Kind auch dazu,  ruhig in der Hängematte zu liegen, die Blätter im Wind zu beobachten, in den Tag hineinzuträumen und in sich selbst zu ruhen.

Mut zur Langeweile

Du siehst, Langeweile hat durchaus etwas für sich und bringt deinem Kind einen grossen Mehrwert für seine gesunde Entwicklung. Auch wenn es für dich vielleicht schwierig ist, dein nörgelndes Kind auszuhalten oder du dir Sorgen machst, dass du deinem Kind zu wenig bietest, lohnt es sich, der Langeweile und dem Nichtstun Raum zu geben und damit den idealen Nährboden für kreative Ideen und unbeschwertes Freispiel zu schaffen. Es kann sein, dass die Langeweile viel Kreativität bei deinem Kind auslöst und die wildesten Spiel- oder Bastelideen aufkommen. Versuche dann aber loszulassen und zuzulassen, dass kreatives Spielen oftmals auch kreatives Chaos mit sich bringt.

 

Mein Vorschlag, wie du das besser aushalten kannst, ist einfach mal mitzumachen! Es fühlt sich gut an, sich treiben zu lassen und deinem Kind beim Umsetzen seiner Ideen zuzuschauen. Denn aus Langeweile entstehen oft tolle Fantasiespiele, aufwändige Bastelideen, kunterbunte Kunstwerke oder imposante Bauwerke. Und es sind genau diese vermeintlich unnützen Spiele, die die Kindheit deines Kindes prägen!

Deshalb wünsche ich dir und deinem Kind Mut zur Langeweile! Wenn dein Kind also das nächste Mal zu dir kommt und mault: «Mir ist so langweilig» dann könntest du es ja einfach umarmen und zu ihm sagen: «Das ist doch gut so. Es interessiert mich sehr, was du jetzt damit machst und was entstehen darf»

 

Denn sei dir bewusst: „Kinder müssen in ihrer eigenen Langeweile versinken, damit die Welt um sie herum so still wird, dass sie sich selbst hören können“ - Vanessa Lapointe

Ich wünsche dir und deinem kleinen Sonnenschein viel Fantasie und Inspiration in der Langeweile

 

Liebe Grüsse aus dem Atelier

Monika von hanni&fred

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