Jahreszeitentisch
Das Aufstellen und Dekorieren eines Jahreszeitentisches wird immer beliebter, und zwar nicht nur in Waldorf-nahen Familien. Es ist eine wundervolle Möglichkeit, deinem Kind die Besonderheiten des Jahres näher zu bringen, aber auch um die Neugier und das Interesse deines Kindes an der Natur und dem Jahreslauf zu wecken.
Mit einem Jahreszeitentisch bringst du ein Stück Natur in dein Zuhause. Die Natur ist etwas Kostbares und Schützenswertes und daran erinnert uns ein Jahreszeitentisch jeden Tag aufs Neue und verbindet dich und dein Kind mit der Umwelt. Durch den Jahreszeitentisch bekommt dein Kind die Möglichkeit, die Eindrücke der Natur wahrzunehmen und zu bestaunen, eine tiefere Verbindung zur Natur und seiner Umwelt zu entwickeln und kreative Erkundungen zu machen. Ausserdem regt er dein Kind zum Nachdenken und Forschen an. Kinder kommen in einen intensiven Kontakt mit den Zyklen des Lebens, den Eigenschaften von Tieren und Pflanzen, den Elementarwesen und auch zu den Aktivitäten der Menschen zu jeder Jahreszeit.
Ausserdem, und das finde ich einen ganz wichtigen Aspekt des Jahreszeitentisches, spricht die besondere Ästhetik eines Jahreszeitentisches die Seele deines Kindes an, fördert seine Kreativität und weckt seine Fantasie. Jede Jahreszeit, jeder Monat hat seine einzigartige Energie und der Jahreszeitentisch wird jeweils so gestaltet, dass sich dies widerspiegelt. Natürlich finden auch die Feste im Jahreskreis auf dem Jahreszeitentisch ihren Platz.
Das Ritual, den Jahreszeitentisch immer wieder passend zur Jahreszeit, zum Monat oder zum Jahresfest neu zu gestalten, gibt Kindern Sicherheit und Geborgenheit.
So finde ich einen Jahreszeitentisch einfach etwas Wunderbares, denn er bietet deinem Kind reichlich Lernerfahrungen - es bekommt die Möglichkeit, die Eindrücke der Natur und der Jahresfeste wahrzunehmen und zu bestaunen, er beflügelt die Fantasie und Kreativität deines Kindes und er bietet Raum für vielfältige Gespräche über die verschiedensten Themen.
Der Jahreszeitentisch in verschiedenen pädagogischen Konzepten
Den Jahreszeitentisch kennst du wahrscheinlich von der Waldorfpädagogik und hast daher auch schon ein Bild vor Augen, wie ein Jahreszeitentisch aussieht. Aber auch in anderen pädagogischen Konzepten kennt man Formen von Jahreszeitentischen. Sie werden meist nicht genau so genannt und auch etwas anders genutzt. So sind sie in der Montessori Pädagogik oder der Kindheitspädagogik von Emmi Kippler eher Sensorik- und Experimentierplätze, wo das Kind Sachen aus der Natur erkunden und mit den unterschiedlichen Naturmaterialien experimentieren darf. Bei diesen Jahreszeitentischen liegt der Schwerpunkt bei der Autonomie deines Kindes und dem Erforschen von Materialien.
In der Reggio Pädagogik ist der Jahreszeitentisch wiederum ein Platz, wo Arbeiten des Kindes, welche den Wechsel in den Jahreszeiten und ihre Besonderheiten dokumentieren, ausgestellt werden können. Das Kind kann Werke schaffen, welche die Natur so zeigen, wie es sie ganz individuell wahrnimmt. Durch das Präsentieren auf dem Jahreszeitentisch kann das Kind seine Arbeit und Beobachtungen in den Kontext des Jahreszyklus stellen und Zusammenhänge besser verstehen. Und natürlich ist es stolz und freut sich, wenn seine Werke im Rahmen eines Jahreszeitentisches ihre Beachtung bekommen.
Weil nicht alle wirklich vertraut mit den verschiedenen pädagogischen Theorien sind, bin ich der Meinung, dass ein Jahreszeitentisch sich den individuellen Bedürfnissen und Ideen jeder Familie oder auch Kita, Kindergarten oder Schulklasse anpassen und somit ein individuelles Gesicht bekommen darf.
Deshalb finde ich es wertvoll und sinnvoll, wenn du dir, bevor du einen Jahreszeitentisch aufstellst, einige Gedanken dazu machst:
grundlegende Gedanken
Wie möchtest du, dass der Jahreszeitentisch genutzt wird? Ist er ein Platz, um ruhig zu werden, ein Platz zum Betrachten und Staunen? Möchtest du, dass dein Kind auch mit den Sachen auf dem Jahreszeitentisch spielen kann? Möchtest du einen Platz schaffen zum Betrachten, willst deinem Kind aber auch zusätzliche Materialien zum momentanen Jahreszeitenthema anbieten? Gestaltest du allein den Platz für dein Kind oder kann es mithelfen? Verwendest du auch von deinem Kind hergestellte Sachen auf dem Jahreszeitentisch oder nicht?
Ob du dich nun für die klassische Variante des Jahreszeitentisches nach der Waldorfpädagogik entscheidest oder für eine erweiterte Variante oder sogar nur für ein Bild des Jahreskreises mit ganz wenigen zusätzlichen Elementen – jede Version bietet ihre Vorteile!
Wenn du weisst, was dir wichtig an einem Jahreszeitentisch ist, kannst du auch einfacher den passenden Platz dafür finden.
welcher Platz eignet sich?
Für den klassischen Jahreszeitentisch reicht ein kleines Tischchen, eine Fensterbank, eine Ecke auf einer Kommode oder eine umgedrehte Kiste. Wenn du Bastelwerke deines Kindes mit auf den Jahreszeitentisch einbeziehen möchtest, dann benötigst du wahrscheinlich etwas mehr Platz. Möchtest du deinem Kind zusätzlich zum Jahreszeitentisch auch passende Bilderbücher, Puzzles, Spiele, Bastelideen und Experimentiermaterial bereitstellen, dann eignet sich ein Regal oder ein Tischchen mit einem Korb oder einer Box dazu.
Wenn du nur wenig Platz hast, kannst du auch einfach ein Bild des Jahreskreises aufhängen und auf einem kleinen, schmalen Regalbrett zwei, drei zum Monat passende Zwerge oder Blumenkinder dazu stellen.
Berücksichtige bei der Umsetzung deines Jahreszeitentisches vor allem die Frage, ob dein Kind den Jahreszeitentisch im Alltag zum Spielen und Experimentieren benutzen darf oder ob er zum Anschauen, Träumen und in die innere Fantasiewelt eintauchen gedacht ist. Entsprechend wählst du einen Platz, an welchen dein Kind selbst gut herankommt oder aber wo es ungestört davor sitzen oder stehen und in seine Betrachtung versinken kann. Entscheide dich auch, ob du einen ruhigen Ort für den Jahreszeitentisch möchtest oder ob er eher im Mittelpunkt von eurem Familienleben sein soll.
Gestaltung des Jahreszeitentisches
Wie du den Jahreszeitentisch gestaltest, ist ganz dir und deinen Vorlieben überlassen. Sicher ist auch hier die Devise «weniger ist mehr» zutreffend. Ein völlig überladener Jahreszeitentisch überfordert dein Kind und es kann die bedeutenden Inhalte nicht mehr wahrnehmen. Je nach Monat ist ein Jahreszeitentisch aber auch mal ruhiger und mit wenig Sachen gestaltet oder aber üppiger und lebhafter arrangiert.
Überlege dir, ob du den Jahreszeitentisch jeweils allein neu für dein Kind gestaltest und es so überraschst und einlädst, in diese Welten einzutauchen. Oder ob ihr gemeinsam den Tisch aufbauen möchtet. Ausserdem stellt sich die Frage, ob du die Naturmaterialien selbst bereit hast oder ob ihr sie bei Spaziergängen zusammen suchen möchtest.
Eine gute Grundlage für die Gestaltung eines jeden Jahreszeitentisches sind bunte Tücher. Farben regen die Vorstellungskraft deines Kindes an, beeinflussen seine Emotionen und seine Stimmung. Auch stellen Farben verschiedene Energien dar, was du gut für den Jahreszeitentisch nutzen kannst.
Entsprechend wählst du Seiden- Baumwoll - oder Wolltücher in Farben, die für dich die aktuelle Jahreszeit, den Monat oder das jeweilige Thema oder Jahresfest symbolisieren.
Nun kannst du kreativ werden und Dinge, die mit der Jahreszeit verbunden sind und die die Natur gerade bereitstellt– wie Blüten, Blätter, Tannenzapfen, Zweige, Muscheln, Steine, Moos oder Rinde - ganz nach deinem ästhetischen Empfinden und nach deinen Vorlieben arrangieren.
Zu den Naturmaterialien gesellen sich auch Figuren aus Holz, Wolle, Filz oder Stoff. So gehören Zwerge, Blumenkinder, König Winter und Mutter Erde zu den am meisten verwendeten Figuren auf einem Jahreszeitentisch. Aber du kannst natürlich auch weitere Figuren (zum Beispiel ein Hirte oder eine Figur aus einer Geschichte) verwenden, ganz so, wie du es dir vorstellst. Auch Holztiere, passend zur Jahreszeit und zum Thema, finden ihren Platz. Weitere Gestaltungsmöglichkeiten sind zum Beispiel eine Höhle, ein Zwergenhäuschen, Hügel, Wimpelkettchen, Maibäumchen, See oder Bächlein.
Ein Bild oder eine Postkarte in einem Postkartenhalter mit einem zum jeweiligen Monat passenden Bild - wie einem Blumenkind, dem Osterhasen, Schneeflockenkindern - gibt dem Jahreszeitentisch eine zusätzliche ästhetische Note. Weiter sind auf einem Jahreszeitentisch Kristalle oder Edelsteine sehr passend, wie auch eine kleine Vase für Blumen der Jahreszeit oder Zweige und Gräser. Vielleicht möchtest du auch ein kleines Töpfchen mit einem Pflänzchen auf den Jahreszeitentisch stellen – da kannst du, wenn du einen Garten hast – auch mal ein Schneeglöcklein oder Erdbeerpflänzchen ausgraben und in das Töpfchen setzen. Vielleicht darf dir da dein Kind helfen.
Möchtest du für jeden Monat Inspiration zur Gestaltung des Jahreszeitentischs? Schau bei diesem Artikel vorbei!
Möchtest du, dass dein Kind auch experimentieren und sich tiefer mit der Natur beschäftigen kann, dann bietet es sich an, dass du vielfältiges Material in einem oder mehreren Körbchen neben oder unter dem Jahreszeitentisch bereitstellst. Da passen zum Beispiel Puzzles zur Jahreszeit, Äste und Schnur, mit denen dein Kind ein Häuschen zusammenbauen kann, verschiedenfarbige Blüten oder Blätter, die in einem mit entsprechenden Farben bemalten Eierkarton sortiert werden können, Bilderbücher zur Jahreszeit, zu Wald, Wiese oder Gewässer oder auch Bilderbücher von Zwergen und Elfen. Oder du könntest, wie von der Montessori Pädagogik bekannt, deinem Kind regelmässig ein paar Blumen und Zweige bereitlegen, die es dann in die Vase für den Jahreszeitentisch arrangieren kann. Dir fallen sicher noch viele weitere Möglichkeiten ein, wie dein Kind mit ein paar wenigen Naturmaterialien und Dingen, die mit der Natur und dem Jahreslauf zu tun haben, forschen, experimentieren und spielen kann.
Ein erweiterter Jahreszeitentisch eignet sich vorallem auch hervorragend für Kindergärten und Unterstufen.
Du siehst, ein Jahreszeitentisch wird in einer Vielzahl von Bildungsansätzen verwendet, um dem Kind die Möglichkeit zu geben, sich mit der Natur zu verbinden, seine Neugier, Fantasie und Kreativität zu entwickeln und auch neues Wissen und Fähigkeiten zu erwerben.
So darf der Jahreszeitentisch ein ganz individueller Platz sein, der Freude bereitet und Gelegenheit bietet, Zeit miteinander zu verbringen – Zeit zum Staunen und Träumen, zusammen über verschiedenste Themen zu sprechen, zu forschen, zu basteln, Geschichten zu erzählen, zu erfinden und zu spielen.
Ich wünsche dir viel Freude beim Gestalten eines ganz nach den Bedürfnissen von dir und deiner Familie gestalteten Jahreszeitentisches!
Liebe Grüsse aus dem Atelier
Monika von hanni&fred















