Ein Jahreszeitentisch ist in vielen Familien, Kindergärten, Kitas und Schulen ein fester Bestandteil des Alltags, ein Ort, der immer besteht, und sich doch stets wandelt.
Es ist eine zauberhafte Möglichkeit, um mit deinem Kind zusammen eine achtsame und sorgsame Verbindung zur Natur zu pflegen. Gemeinsam mit ihm kannst du mit einem Jahreszeitentisch die Jahreszeiten, den Lauf der Natur und ihre elementaren Kräfte erlebbar machen. Der Jahreszeitentisch verhilft deinem Kind zu einem bildhaften Gefühl für Zeit und gibt ihm Orientierung im Ablauf der Jahreszeiten.
Der Jahreszeitentisch ist ein Ort zum Staunen, Fantasieren und Betrachten aber auch zum Philosophieren und für Gespräche und Geschichten aller Art. Bei manchen Familien darf auch damit gespielt oder mit den Materialien experimentiert werden.
Die Gestaltung des Jahreszeitentisches kannst du zu einem Familienritual werden lassen oder ihn zum Anlass für andere Rituale nehmen. Vielleicht erzählst du einmal in der Woche neben dem Jahreszeitentisch eine Geschichte oder du singst dort mit deinem Kind jeden Morgen ein zur Jahreszeit passendes Lied. Auf jeden Fall verleiht der Jahreszeitentisch deinem Familienalltag ganz viel Zauber!
Dein Jahreszeitentisch darf ein lebendiger Ort sein, welcher sich immer wieder verändern darf und der mit Bedacht gestaltet werden will. In manchen Monaten ist er vielleicht üppig und lebendig und in andern eher ruhig und zurückhaltend.
Jede Jahreszeit bietet dir ausreichend Schätze, womit du deinen Jahreszeitentisch gestalten kannst. Vielleicht möchtest du verschiedene Dinge vom Jahreszeitentisch jeweils behalten und legst so einen Vorrat an Materialien an, den du immer wieder hervornehmen und mit neuen Fundstücken kombiniert für die Gestaltung deines Jahreszeitentisches gebrauchen kannst.
Hier habe ich dir einige Ideen für die Gestaltung des Jahreszeitentisches durch das Jahr zusammengestellt:
Januar:
Mit weissen Tüchern, einigen Ästen, kleinen Anhängern aus Glas, einem Bergkristall und einer schönen winterlichen Postkarte kannst du eine Winterlandschaft entstehen lassen. König Winter, ein Schneeflockenkind, ein Schneemann und blaue oder lila Winterzwerge sind passende Figuren für den Januar.
Möchtest du ganz nach Waldorf deinen Jahreszeitentisch gestalten, dann sind am Anfang des Monats die heiligen drei Könige auf dem Weg zum Stall und Maria, Joseph und das Jesuskind sind vom Dezember her noch auf dem Tisch. Nach dem 6. Januar, darf sich dann der Jahreszeitentisch zu einer Winterlandschaft verändern.
Februar:
Die Winterlandschaft darf noch etwas bestehen bleiben. Aber es können nun Schneeglöckchen- und Krokuskinder dazu kommen. Auch ein selbstgebasteltes Schneeglöckchen passt gut auf den noch winterlichen Jahreszeitentisch. Vielleicht findet ein kleiner Vogel seinen Platz auf dem Ast. Je nach Wetterlage kannst du schon Äste mit Weidenkätzchen dazu stellen oder ein Schneeglöckchen im Garten ausgraben und in einem Töpfchen dazu stellen. Auch eine Postkarte mit einem Wintermotiv passt gut dazu.
März:
Mit braunen und beigen Tüchern wird nun der Wechsel der Jahreszeit deutlich gemacht. Eine schöne verzweigte Wurzel oder dicker Ast, einige Kieselsteine und ein dunkler Edelstein passen nun auf den Jahreszeitentisch. Mutter Erde und ein paar Wurzelkinder oder Zwerge in Lila- und Brauntönen finden ihren Platz zwischen den Wurzeln. Im Verlauf des März kannst du ein oder zwei Blumenkinder erscheinen lassen, zum Beispiel ein Krokuskind oder ein Weidenkätzchenkind. Ein Reh oder ein Füchslein darf sich nun auch dazu gesellen. Natürlich ist auch im März eine frühlingshafte Postkarte sehr schön.
April:
Nun kannst du hellgrüne Tücher auf den Jahreszeitentisch drapieren, vielleicht bleibt eine kleine Ecke noch braun. Eine kleine Vase mit einem Sträusschen von den ersten Blumen zeigt deutlich, dass der Frühling kommt. Dieses Sträusschen kannst du während des Monats immer wieder neu binden. Mutter Erde kann noch weiter auf dem Tisch bleiben und du kannst nun weitere Blumenkinder dazu stellen. Welche Blumenkinder passen, siehst du auf deinen Spaziergängen mit deinem Kind – du wirst vielleicht Löwenzahn, Osterglocken oder Traubenhyazinthen entdecken. Entsprechend finden solche Blumenkinder Platz auf eurem Jahreszeitentisch.
Ostern:
Im März oder April ist auch Ostern, deshalb kannst du im entsprechenden Monat auch einen Zierhaselzweig aufstellen, der eventuell sogar mit kleinen Ostereiern geschmückt ist. Anstelle der Blumenkinder und Mutter Erde könntest du auch Hasen aus Holz oder Filz arrangieren, sowie eine kleine pastellfarbene Wimpelkette spannen und ein paar Osterglocken in die Vase geben.
Mai:
Der Frühling ist nun mit grünen Tüchern in hellen Schattierungen angekommen. An einen Zierhaselast kannst du kleine Papierblüten heften. Dazu passt eine frühlingshafte Postkarte gut. Schneckenhäuschen, helle Kiesel und kleine Erlenzapfen kannst du nun dazu arrangieren. Grüne und zartgelbe Zwerge und Elfen, sowie Tulpen-, Gänseblümchen- oder Fliederkinder sind passende Figuren. Dein Jahreszeitentisch darf nun fröhlich und luftig wirken. Vielleicht stellst du einen kleinen Maibaum mit farbigen Bändern in die Mitte deines Jahreszeitentisches und die Zwerge rund herum.
Juni:
Zu den grünen Tüchern kannst du nun einige rote Akzente setzen. Ein kleines Erdbeerpflänzchen aus dem Garten in einem Töpfchen, umgeben von Erdbeerkindern passt am Anfang des Monats sehr gut. Marien- und Maikäfer dürfen an den Ästen herumkrabbeln. Ein Teich oder ein Bach aus blauen Tüchern oder aus Holz passt in der zweiten Hälfte des Monats auch gut auf den Jahreszeitentisch und symbolisiert den Beginn des Sommers. Ein paar Gänse oder Enten, zarte Elfen und fröhliche gelbe oder rote Zwerge können auch ihren Platz finden.
Juli:
Gelbe und leuchtend grüne, sowie blaue Tücher symbolisieren nun den Sommer. Eine Postkarte mit einem sommerlichen Motiv unterstreicht dies gut. Auch einen etwas üppigeren Strauss mit Sommerblumen macht sich nun gut auf dem Jahreszeitentisch. Blumenkinder wie Kornblume, Kleeblatt, Glockenblume, Heckenrose oder Mohnblume sind für den Juli passende Figuren. Einen Bienenkorb kannst du auch dazu stellen und dann kleine Bienchen aus Holz oder Papier auf einem Zweig verteilen.. Wenn du möchtest, kannst du aber auch einen See oder ein Meer mit blauen Tüchern machen, Sand, Muscheln und Kieselsteine dazu legen. Fische, ein Segelböötchen und Wasservögel passen gut dazu. Anstelle von Blumen könntest du dann Gräser in die Vase geben.
August:
Die Farben der Tücher können noch gleichbleiben. An einen Zweig kannst du sonnengelbe Bänder knüpfen, welche die Sonnenstrahlen symbolisieren. Auch im August passt ein Teich mit Fischen oder auch ein Bach mit einem Wasserfall. Mit Sonnenblumen-, Ringelblumen- oder Rosenkindern kannst du die Landschaft ergänzen. Auch gelbe und orangene Zwerge zwischen schönen Steinen sind passende Figuren.
September:
Mit dunkelgrünen, orangefarbenen und beigen Tüchern ändert sich dein Jahreszeitentisch nun langsam zum Herbst. Eine Postkarte mit einem frühherbstlichen Motiv ergänzt den Eindruck. Ein knorriger Ast, Eicheln oder Bucherkern passen nun gut auf den Jahreszeitentisch. Ein Hagebutte- oder ein Lampionblumenkind symbolisieren den kommenden Herbst. Igel, Eichhörnchen und Mäuschen sind passende Tiere. Natürlich kannst du nun auch, ganz nach Waldorf, einen Drachen und St. Michael auf dem Jahreszeitentisch platzieren.
Oktober:
Mit gelben, orangen, grünen und roten Farben kannst du nun die Erntezeit darstellen. Zierkürbisse, Kornähren, Maiskolben und Äpfel passen auf den Jahreszeitentisch. Zweige mit Beeren sowie Astern oder Dahlien gehören jetzt in die Vase. Kürbis- oder Apfel- und Birnenkinder gehören auch dazu. Auch Zwerge bei einer schönen Wurzel oder eine Herbstfee können sich auf den Jahreszeitentisch gesellen.
November:
Am Anfang des Monates passen rote und gelbe Tücher gut. Du kannst eine kleine Laterne zusammen mit deinem Kind basteln und sie in die Mitte des Jahreszeitentische stellen. Kinder mit Lichtlein, ein kleines Feuer aus Hölzchen und Papier hergestellt oder auch ein Holzpferd und St. Martin symbolisieren den Anfang des Monates. Du kannst aber auch ganz einfach mit braunen Tüchern aus Wolle und Leinen, etwas Märchenwolle, knorrigen Ästen und Granitsteinen den November darstellen. Trockenes buntes Laub, Tannenzapfen und Kastanien, Zwerge und Holztiere wie Mäuschen, Fuchs oder Igel passen gut. Du kannst alles noch mit einer stimmungsvollen Postkarte und einigen Edelsteinen vervollständigen.
Dezember:
Blaue Tücher in verschiedenen Schattierungen sowie weisse Tücher sind die Grundlage. Anfangs kannst du eine Winterlandschaft gestalten, indem du kleine Scherenschnitte aus weissem Papier an Zweige hängst und vielleicht sogar etwas silbernen Glitzer verteilst. Tannenäste eignen sich nun gut für die Vase auf dem Jahreszeitentisch. Blaue Zwerge, ein Christrosen- oder Mistelkind und Bergkristalle passen gut dazu. Du kannst diese Winterlandschaft auch gut den ganzen Monat lassen und sie vielleicht einfach noch mit einigen Sternen, einem Mistelzweig oder einem kleinen Weihnachtsstern in einem Töpfchen ergänzen. Du könntest aber auch anstelle der Zwerge und Blumenkinder den Nikolaus und ein Eselchen aus Holz dazu arrangieren. Und in der zweiten Hälfte dann nach Waldorf die Krippe aufbauen und Maria und Joseph jeden Tag ein bisschen näher an die Krippe ziehen und die Krippenszene mit Schafen, Hirte und Engel nach und nach entstehen lassen, bis sie an Heilig Abend mit dem Jesuskind vollständig ist.
Gestalten, wie es zu dir passt
Wie du deinen Jahreszeitentisch konkret gestaltest, ist aber natürlich ganz dir überlassen. Vielleicht gefallen dir ganze Landschaften am besten, vielleicht aber hast du es lieber pur und schlicht und setzt einfach ein paar Akzente. Es gibt kein richtig oder falsch – arrangiere den Jahreszeitentisch ganz nach den Vorlieben von dir und deinem Kind! Du kannst jeden Monat neu gestalten oder einfach nur die vier Jahreszeiten und diese dann mit Kleinigkeiten verändern. Vielleicht möchtest du alle Feste im Jahreskreis auf dem Jahreszeitentisch darstellen oder lieber nur die Natur. Auch ist es möglich, dass du manchmal auch Figuren und Szenen aus Geschichten, welche zu den Jahreszeiten passen, auf den Jahreszeitentisch ziehen lassen. Lass der Fantasie von deinem Kind und von dir und freien Lauf und macht gemeinsam den Jahreszeitentisch zu einem Lieblingsort in eurem Zuhause!
Viel Vergnügen beim Sammeln von Naturmaterialien und Blumen, beim Finden von passenden Figuren und Postkarten und weiteren wundervollen Dingen, beim Herstellen von kleinen Dekorationen und beim Gestalten von eurem Jahreszeitentisch!
Liebe Grüsse aus dem Atelier
Monika von hanni&fred
